Palo Santo (Heiliges Holz)

Die Bezeichnung Palo Santo (Heiliges Holz) ist ein Sammelbegriff für verschiedene harzreiche Hölzer Mittel- und Südamerikas. Besonders begehrt waren die in Peru und Ecuador gewachsenen Hölzer der Art Bursera graveolens. Diese Pflanze gehört zu den Balsambaumgewächsen und ist ein Verwandter von Weihrauch und Myrrhe.

 

Pueblo Bonito, Chaco Canyon, New Mexico

Man verräuchert sie durch einfaches Anglühen eines größeren Holzstücks mit der Flamme oder, vor allem in Südamerika, auf Kohlen. Palo Santo dient zur Reinigung von Körper und Haus u. a. nach Kontakt mit Kranken und Verstorbenen. Die Inka setzten Palo Santo gegen Atemwegs- und Ohrenentzündungen ein und verräucherten es auch in Mischungen mit Mate und den Federn des Nandu.

Pterocnemia pennata

Über die körperliche Reinigung hinaus wirkt Bursera graveolens psychisch stimulierend und leicht euphorisierend. Als heiliges Holz gewährt es Schutz vor Zauberei und bösen Geistern. Bereits vor der klassischen Zeit der Inka gab es spirituelle Zentren (z.B. in Pátzcuaro in Michuacán, Mexico), für die der Gebrauch von Bursera-Graveolens-Räucherungen belegt werden kann. Von den Inka und anderen indigenen Gruppen über die Criollos des spanischen kolonialen Kastensystems und bis heute wird Palo Santo zur Reinigung von der mala energia verräuchert. Bei den Naporuna im Amazonastiefland von Ecuador ist Palo Santo ein Mittel gegen mal aire, die „Krankheit des springenden Bauchnabels“. Siehe zum ethnomedizinischen Kontext u.a.: Michael Knapper, Zwischen mal aire und Malaria – Medizinischer Pluralismus bei den Naporuna im Amazonastiefland von Ecuador. Indiana 2001 (http://www.redalyc.org/articulo.oa?id=247018427013)

Nicht zu verwechseln ist Palo Santo mit dem früher auch in hiesigen Krankenhäusern bei der „Susfumigation“ (d.h. „Räuchern eines Kranken“; siehe: Das recht vollkommene königliche Dictionarium Französisch-Teutsch, Bd.2, Nürnberg 1712-1715) verwendeten sogenannten Peru-Balsam, Balsamum peruvianum, das aus Myroxylon balsamum var. pereirae gewonnen wird und nicht aus Peru, sondern aus Mittelamerika bzw. Asien stammt.

sogenannter Perubalsam