Succinit (Baltischer Bernstein)

Bernstein (aus mittelniederdeutsch: Börnesteen, d.h. „Brennstein“) ist ein fossiles Harz, welches von einer ausgestorbenen, bis heute nicht abschließend identifizierten Pflanzenart stammt. Die bei weitem häufigste Bernsteinart ist das Succinit, von dem es im Baltikum nach einer Schätzung noch mehr als 640.000 t geben soll.

 

Das Bernsteinzimmer

Seit Jahrtausenden wurde Bernstein im Ostseeraum zu Schmuck verarbeitet und als Rohstoff in die Kulturen des Mittelmeerraums exportiert. In Ägypten fand man über 6000 Jahre alte kunsthandwerkliche Gegenstände aus baltischem Bernstein. Kaiser Nero verbrauchte es in Massen. Ebenso wie noch heute in Indien und in den Ritualen der Sufis wurde Succinit aufgrund seiner wohlriechenden ätherischen Öle auch verräuchert.

Durch Reibung lädt sich Bernstein elektrostatisch auf und wurde daher schon in der Antike zur Reinigung der Luft von Staubteilchen eingesetzt. Das altgriechische Wort für Bernstein ist ḗlektron (ἤλεκτρον, übersetzt etwa: „hellgold“) und der Namensgeber für unser Wort Elektrizität. Die Ostseeinseln, von denen aus die alten Bernsteinstraßen nach Süden zogen, nannte man in Griechenland die „Elektriden“.

Moustique dans l’ambre

Schon Aristoteles vermutet eine pflanzliche Herkunft. Aber erst Mitte des 18. Jahrhunderts gelingt dem russischen Gelehrten W. Lomonossow der wissenschaftliche Nachweis des Bernsteins als fossiles Baumharz. Seine außergewöhnlichen Eigenschaften – Brennbarkeit, Lichtdurchlässigkeit (in poliertem Zustand), Elektrostatik, Färbung – prädisponierten das Succinit in vielen Kulturen zu einem mythischen Stein, dem Gold des Nordens, Tränen der Heliaden, Bernsteinschloss in der litauischen Geschichte um Jūratė und Kastytis.

Bernsteinfischer und Bernsteingräber

Darüber hinaus enthält Bernstein oftmals Inklusen ausgestorbener Tier- und Pflanzenarten (etwa 4500 pro Tonne im Bitterfelder Succinit), die – von Martial bis zu Jurassic Park – schon immer die wissenschaftliche und poetische Phantasie anregten.

„Der Bernstein birgt und zeigt die Biene doch darbey;

Es scheint ob sie bedeckt durch ihren Honig sey.

Sie hätte nicht gekundt ein schöners Grab erwerben,

Vermuthlich hat sie hier gewündscht also zu sterben.“

(Martial: De ape electro inclusa – Auf eine Bien im Bernstein verschlossen)

Menschen und Dinosaurier: Édouard Riou, Journey to the Center of the Earth

 

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