Incense of Music 29

Ein multisensorisches Konzert – Dienstag, 16. Oktober 2018, 19:30 Uhr

Incense: Grapefruit, Galbanum

LouLou – Begegnungsort für alte und neue Nachbar*innen, Lübecker Straße 21, 10559 Berlin-Moabit

Es ist eine besondere Freude, dass die Reihe Incense of Music, die u.a. für Kommunikation, interkulturellen Austausch, gemeinsame Erfahrung und Offenheit steht, am 16.10.2018 die Räume des Café LouLou bespielen darf (besonderen Dank an Mariana Karkoutly) – ein Begegnungsort für neue (geflüchtete) und alte Nachbar:innen in Berlin-Moabit. Zu dieser Gelegenheit präsentieren wir die iranische Oud-Spielerin Yasamin Shahhosseini und den deutschen Perkussionisten Sebastian Flaig, für einen Abend mit traditioneller und zeitgenössischer Musik aus Persien. Dazu verräuchern wir Grapefruit und Galbanum.

Incense of Music ist eine olfaktorische Konzertreihe, in der simultan zur erklingenden Musik exquisites Räucherwerk verbrannt wird. Klänge und Gerüche durchdringen sich synästhetisch und interagieren auf eine Weise, die den sinnlichen Fokus der Hörer:innen und Musiker:innen verstärkt und das gemeinsame Gewahrsein unterstützt.

Gästen, die besonders rauchempfindlich sind, ist diese Veranstaltung nicht zu empfehlen.

Shahhosseini und Flaig

Shahhosseini und Flaig

Künstler:innen

Yasamin Shahhosseini — Oud

Yasamin Shahhosseini wurde am 4. November 1992 in Teheran geboren. Sie absolvierte die Teheraner Musikschule, wo sie begann, Oud zu lernen, und studierte anschließend persische traditionelle Musik an der Universität Teheran. Yasamin spielte für verschiedene Musikgruppen wie das New Music Orchestra und Meta X (unter der Leitung von Alireza Mashayekhi), Paliz, Avaye Teheran, Derang, Tree Ouds (von Shahram Gholami) und Mahbang. Sie wirkte an mehreren Musikalben mit und nahm zudem ein Oud-Soloalbum, „Gahan", auf, das 2015 in Teheran veröffentlicht wurde. Sie erforscht die Entwicklung des persischen Radif mit besonderem Fokus auf den „Kitab al-Adwar" von Urmawi (13. Jahrhundert, Bagdad) und ist Gewinnerin zahlreicher Oud-Preise. Yasamin arbeitet derzeit in der Forschungsgruppe „Pouyesh", die zu verschiedenen Themen der persischen Musik forscht und zahlreiche Artikel in Teheran veröffentlicht.

Sebastian Flaig — Perkussionen

Sebastian Flaig aus Freiburg studierte ethnische Perkussion, Jazzschlagzeug und Komposition an der Hochschule für Musik in Leipzig. Zur Vertiefung seiner Kenntnisse orientalischer Perkussion lebte er ein Jahr in Istanbul und lernte bei verschiedenen Meistern, u.a. bei dem Darabuka-Virtuosen Misirli Ahmet. Persische Perkussion erlernte er bei Behnam Samani und Majid Khaladj. Sein stilistisches Spektrum reicht von orientalischer Musik über Jazz und experimentelle Musik bis zur Alten Musik, in Ensembles wie dem Taner Akyol Trio, mit Maya Youssef, Pain Perdu, dem KalhorFlaig Duo, Susan Weinert, Ensemble Resonanz, der Lautten Compagney Berlin und der Musikwerkstatt Köln. 2017 wurde die CD „Syrian Dreams" von Maya Youssef mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Sebastian spielte als Solist mit dem Staatsorchester Braunschweig, den Hamburger Symphonikern und der Mittelsächsischen Philharmonie sowie in verschiedenen Tanz- und Theaterproduktionen, u.a. an der Komischen Oper. Er war musikalischer Leiter am Stadttheater Freiburg, Theater Erlangen und am Bauhaus Dessau. In der Neuen Musik führte er als Solist Uraufführungen der Komponisten Ali Gorji, Taner Akyol, Volker Staub und Chen Zheng-Wen auf. Er komponierte die Musik zu Dokumentarfilmen und Theaterstücken und tourte u.a. durch den Libanon, Syrien, die Türkei, Bulgarien und Südamerika.

Räucherpflanzen

Galbanum-Pflanze
Galbanum

Galbanum ist das Harz von Ferula galbaniflua (bzw. Ferula erubescens), einer Doldenpflanze aus der Verwandtschaft der Riesenfenchel, die vor allem in Persien und östlich des Aralsees vorkommt. Heute wird das Harz überwiegend in den Bergen Nordirans gewonnen – etwa 80 Tonnen jährlich – und enthält einen wasserlöslichen Gummianteil, alkohollösliche Harze und ätherisches Öl.

Handelsrouten

Traditionell wurde Galbanum über die Häfen der Levante gehandelt; in schwierigen Zeiten verlagerte sich der Handel jedoch auf jahrhundertealte Ausweichrouten, etwa nach Kochin an der Malabarküste Südindiens. Kochin wurde zu einem Knotenpunkt des interkontinentalen Gewürz- und Räucherwarenhandels, nachdem ein Tsunami im Jahr 1341 dort ein natürliches Hafenbecken geschaffen hatte.

Planta de Cochim

Planta de Cochim, Bocarro, 1635

Nach Gründung des Vizekönigtums Portugiesisch-Indien wurde Galbanum zunehmend auch zwischen Indien und Lissabon verschifft, statt ausschließlich über die levantinischen Mittelmeerhäfen. Es zählte zwar nicht zu den kostbarsten orientalischen Gewürzen wie Pfeffer, Zimt, Nelke oder Muskatnuss, fand in Europa jedoch als sogenanntes „Mutterharz" therapeutischen Einsatz – krampflösend bei Menstruationsbeschwerden, wehenfördernd und im Wochenbett.

Carrack Madre de Deus

Carrack Madre de Deus

Der Geruch der rohen Galbanum-Masse gilt als rau und erdig; manche Autoren beschreiben ihn geradezu als unangenehm. Im babylonischen Talmud (Kareithoth 6b) heißt es dazu sinngemäß, Galbanum habe einen schlechten Geruch und sei dennoch unter den Zutaten des heiligen Räucherwerks aufgeführt worden. Tatsächlich ist Galbanum gleichwertiger Bestandteil des im Buch Exodus (30:34) überlieferten Rezepts für das heilige Rauchopfer „Ketoret". Der Legende nach war die Fackel des Prometheus aus dem verholzten Stamm eines verwandten Riesenfenchels gefertigt, und Plinius behauptete in seiner Naturkunde, Galbanum, vermischt mit Bärenklau, könne allein durch Berührung Giftschlangen töten.

Armada portugaise

Armada portugaise

Pedro Álvares Cabral

Pedro Álvares Cabral

Handelsroute

Seine ganze Tiefe entwickelt Galbanum erst beim Verräuchern oder in der Parfümkomposition, wo es als lebendige, „grüne" Kopfnote oder als erdige Basisnote in Verbindung mit Moschus oder Kiefer eingesetzt wird – bekannt u.a. aus Düften wie Chanel No. 19, Guerlains Vol de Nuit und Balmains Vent Vert.

Grapefruit
Grapefruit

Die Grapefruit (Citrus × paradisi) ist ein subtropischer Zitrusbaum, der vermutlich in Südostasien bzw. im südlichen China als natürliche Kreuzung zwischen Pomelo und Mandarine entstand. Er trägt glänzende, immergrüne Blätter und die rundliche, orange Frucht, deren duftreiche Schale den Räucherstoff liefert.

Grapefruitbaum

Über Handelsrouten arabischer Kaufleute und später der Kreuzfahrer gelangte die Orange bis zum Mittelalter in den Mittelmeerraum. In zahlreichen Kulturen ist sie bis heute mit Wohlstand und Glück verbunden. Die Grapefruit selbst entstand erst um 1750, vermutlich auf Barbados, als spontane Kreuzung aus Pomelo und Orange und gelangte 1823 nach Florida, wo sie seit 1875 kommerziell angebaut wird. Ihre Sorten unterteilen sich grob in weißfleischige und rotfleischige Varianten – Letztere gehen auf die 1929 patentierte amerikanische Sorte Ruby Red zurück, aus der später Selektionen wie Rio Red und Star Ruby mit noch tieferer Rotfärbung hervorgingen. Die unter dem Namen Sweetie bekannte Frucht, botanisch Oroblanco, ist eine 1958 in Kalifornien entstandene Kreuzung aus Pomelo und Grapefruit.

Als Räucherwerk entfaltet Grapefruit einen hellen, fröhlichen, süß-zitrusartigen Duft. Er wirkt belebend und energetisierend und wird mit Freude, Wärme und Fülle assoziiert – oft verwendet, um trüber Stimmung entgegenzuwirken und eine einladende Atmosphäre zu schaffen.