Holunder (Sambucus nigra)
Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) ist ein kleiner, sommergrüner Baum oder Strauch, der in weiten Teilen Europas sowie in Teilen Westasiens und Nordafrikas heimisch ist und häufig an Waldrändern, Hecken und in der Nähe menschlicher Siedlungen wächst. Im Frühsommer trägt er cremeweiße, flach ausgebreitete Blütendolden von süßlich-würzigem Duft, aus denen im Herbst dunkelviolette bis schwarze Beeren reifen. Sowohl Blüten als auch reife Beeren sind reich an ätherischen Ölen und sekundären Pflanzenstoffen, während unreife Beeren sowie Blätter, Rinde und Wurzeln in rohem Zustand schwach giftig sind – ein Umstand, der den Holunder in der Volksüberlieferung zugleich als Heil- und als Respekt einflößende Pflanze erscheinen ließ. In der Küche werden die reifen, gekochten Beeren traditionell zu Sirup, Gelee oder Wein verarbeitet, während die aromatischen Blüten häufig zu erfrischendem Holundersirup oder in Teigwaren verwendet werden – stets nach ausreichendem Erhitzen, das die schwach giftigen Verbindungen unschädlich macht.
Kaum eine andere Pflanze ist so tief in der europäischen, besonders der germanischen und nordischen Volksüberlieferung verwurzelt wie der Holunder. Er galt als Schutzbaum, dem eine Baumgeistgestalt – die „Holla" oder „Frau Holle" – innewohnte; man bat den Baum traditionell um Erlaubnis, bevor man ihn beschnitt oder fällte, aus Furcht, ihren Zorn zu erregen, und pflanzte ihn oft bewusst in Hofnähe, um Haus und Familie vor bösen Geistern zu schützen. Seine Blüten und Beeren wurden über Jahrhunderte in der Volksmedizin gegen Erkältungen, Fieber und grippale Infekte verwendet und gelten bis heute, etwa als Holunderblütensirup oder -tee, als bewährte Stärkung für die Abwehrkräfte in der kalten Jahreszeit. In manchen Regionen Mittel- und Nordeuropas war es üblich, wichtige Lebensereignisse – Geburten, Hochzeiten, Todesfälle – dem Holunderbaum des Hofes symbolisch mitzuteilen. In manchen Gegenden Englands und Skandinaviens hält sich bis heute der Brauch, vor dem Fällen eines Holunderstrauchs ein kleines Gedicht oder eine Bitte an die Baumgeistin zu sprechen, um kein Unglück heraufzubeschwören.
Als Räucherwerk verströmt Holunder einen süßen, zarten, blumigen Duft, wenn die Blüten verwendet werden, oder eine tiefere, fruchtigere Note bei Beeren oder Holz. In alten germanischen Vorstellungen wurde er mit Schutz, der Verbindung zu den Ahnengeistern und der Schwelle zwischen den Welten in Verbindung gebracht – ein Räucherwerk für Übergänge, das traditionell bei Jahreszeitenwechseln und an Orten verbrannt wurde, an denen man sich besonderen Schutz oder Kontakt zu den Ahnen erhoffte. Manche Räuchertraditionen verbinden Holunderrauch zudem mit dem Übergang der Jahreszeiten, insbesondere mit der Sommersonnenwende und dem Herbstbeginn, wenn die Grenze zwischen den Welten als besonders durchlässig gilt.
Verwendet in folgenden Konzerten


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