Kalmus (Acorus calamus)

Calamus

Kalmus ist eine halbaquatische, mehrjährige Sumpfpflanze mit schwertförmigen Blättern und einem stark aromatischen Wurzelstock, beheimatet in Indien, Zentralasien, Südrussland und Sibirien, vermutlich auch in Osteuropa, sowie in China und Japan. In Westeuropa und Nordamerika wurde sie zu medizinischen Zwecken eingeführt und wächst dort bevorzugt an Ufern von Teichen, Flüssen, Sümpfen und Feuchtgebieten. Die bis zu einem Meter langen, schwertförmigen Blätter duften beim Zerreiben angenehm würzig, und der kriechende, geringelte Wurzelstock kann ausgedehnte Bestände bilden. Botanisch unterscheidet man diploide, triploide und tetraploide Sippen der Pflanze, die sich unter anderem im Gehalt des Inhaltsstoffs β-Asaron unterscheiden. Zerreibt man ein Stück des Rhizoms, tritt ein warmer, an Zimt und Ingwer erinnernder Duft hervor, der auf ein komplexes Gemisch aus Phenylpropanoiden und Terpenen zurückgeht. In manchen Regionen wird die getrocknete Wurzel bis heute zerstoßen als natürliches Insektenschutzmittel in Textilien und Vorratskammern eingesetzt.

Kalmus zählt zu den ältesten bekannten Heil- und Zeremonialpflanzen der Menschheit und wird bereits im ägyptischen Papyrus Chester Beatty VI (um 1300 v. Chr.) erwähnt, wo er als Bestandteil eines Umschlags gegen Magenbeschwerden genannt wird, obwohl die Pflanze wohl nicht in Ägypten heimisch war. Bei zahlreichen indigenen Völkern Nordamerikas, etwa den Ojibwe, bei denen die Wurzel als „Wiike" bekannt war, wurde sie traditionell gekaut, um Müdigkeit zu vertreiben, die geistige Klarheit zu fördern und auf langen Reisen als Schutz- und Heilmittel mitgeführt. In Europa gab man Kalmus häufig zu Wein hinzu, und die Wurzel zählt bis heute zu den möglichen Zutaten von Absinth; kandiert ist sie unter dem Namen „Deutscher Ingwer" bekannt, und ihr Öl aromatisiert traditionell auch Pfeifentabak. Manche Gelehrte identifizieren Kalmus zudem mit dem biblischen „Kaneh Bosem", einem Bestandteil des heiligen Salböls aus dem Buch Exodus (30:23). Auch im antiken Griechenland und Rom war die Wurzel als Heilmittel gegen Magen- und Augenleiden bekannt, und Dioskurides beschrieb sie ausführlich in seiner „De Materia Medica", einem der einflussreichsten Werke der antiken Pharmakologie.

Als Räucherwerk entfaltet Kalmus einen warmen, süßlich-würzigen, holzigen Wurzelduft mit einer leicht bitteren, ingwerartigen Schärfe, die sich beim Erhitzen langsam entfaltet und noch lange nachklingt. Er wird traditionell mit geistiger Klarheit, Schutz und Erdung assoziiert und zur Reinigung sowie zur Stärkung von Gedächtnis und Konzentration eingesetzt. Manche Räuchertraditionen Süd- und Zentralasiens verwenden Kalmus zudem gezielt in Reinigungsritualen vor wichtigen Zeremonien, in der Überzeugung, sein Rauch schaffe einen klaren, konzentrierten geistigen Zustand.

Verwendet in folgenden Konzerten

Incense of Music 27
Incense of Music 27
22. Juni 2018
Chris Dahlgren, Nathan Bontrager — Dammar, Kalmus
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