Libanonzeder (Cedrus libani)
Die Libanonzeder wächst vor allem entlang der Mittelmeerküste Süd- und Südwestanatoliens, im Libanon, dessen Wahrzeichen sie ist, sowie in den Höhenlagen des Dschebel Ansariye in Syrien. Sie ist ein immergrüner Baum, der Wuchshöhen von 30 bis 50 Metern erreicht und über 1.000 Jahre alt werden kann, mit einer charakteristisch flachen, ausladenden Krone im Alter. Schon das frisch geschnittene Holz duftet aromatisch und harzreich. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet ist im Libanon durch jahrtausendelange Übernutzung heute auf nur noch rund 2.000 Hektar zusammengeschrumpft – schon der biblische Prophet Hesekiel warnte vor der maßlosen Rodung der Zedernwälder. Heute stehen die verbliebenen Bestände im Libanon unter strengem Schutz, und mehrere Naturreservate, allen voran der „Zedernwald Gottes" (Arz el-Rab) bei Bcharre, bewahren die letzten alten Baumriesen als nationales Symbol, das bis heute die libanesische Flagge ziert.
Wie der Löwe unter den Tieren galt die Zeder als „Prinz der Bäume". Für den Bau seines Tempels soll König Salomo Zehntausende Israeliten in den Libanon geschickt haben, um König Hiram von Tyros beim Holzfällen zu unterstützen; Phönizier, Ägypter und später Griechen nutzten das Holz zum Flottenbau, und das 67 Meter lange Opferschiff Ramses' III. war aus Libanonzeder gebaut. Legendär ist auch die Reise Wen-Amuns nach Byblos, um Zedernholz für die Barke des Amun-Re zu beschaffen. Schon in Babylonien unter Hammurabi und im alten Ägypten kannte man Verfahren, das ätherische Öl aus dem Kernholz zu gewinnen, das laut Herodot und Diodor unter anderem zur Einbalsamierung der Toten diente. Nach biblischer Symbolik bestand das Kopfende des Kreuzes Christi aus Zedernholz; in der mittelalterlichen christlichen Ikonographie ist die Zeder der Muttergottes zugeordnet und galt den Propheten als Sinnbild der Unvergänglichkeit. Der mythische Vogel Benu, Vorläufer des griechischen Phönix, der sein Nest aus Balsam und Weihrauch baut, um sich darin zu verbrennen und verjüngt wiederaufzuerstehen, wird ebenfalls mit der Zeder in Verbindung gebracht. Als Räucherwerk verströmt Zedernholz aus dem Libanon einen trockenen, harzig-balsamischen Duft mit einer feinen, fast rauchigen Tiefe, der traditionell mit Beständigkeit, Würde und einer langen Erinnerung an vergangene Reiche assoziiert wird.
Als Räucherwerk entfaltet Cedrus libani einen warmen, harzig-holzigen Duft von großer Tiefe, ruhiger und erdiger als gewöhnliches Zedernholz. „Am Kronprinzen wächst eine köstliche Zeder heran", dichtete Christian Friedrich Daniel Schubart im 18. Jahrhundert. Seit der Antike wird die Libanonzeder mit Unvergänglichkeit, Würde und spiritueller Erhabenheit assoziiert – Eigenschaften, die sich auch in ihrem Räucherduft wiederfinden: gesammelt, gewichtig und auf eine stille Art erhaben.
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