Nathan Bontrager

Cello, Viola da gamba

(von der Website nathanbontrager.wordpress.com)

Geografische Vorbemerkung: Ich lebe in Köln, Deutschland, und spiele, wo auch immer.

Wie jeder Mensch bin ich das Produkt diverser Interessen, Sehnsüchte und Erfahrungen. Aber auf diesem Fleckchen digitalen Grundbesitzes geht es mir darum, Aufmerksamkeit auf mich als Musiker zu lenken. Wenn Sie hier sind, möchten Sie wahrscheinlich etwas mehr über mich erfahren und darüber, was für Musik ich mache. Das lässt sich einrichten. Wenn Sie jedoch danach suchen, wo ich studiert habe, mit welchen berühmten Leuten ich zusammengespielt habe und andere solcher Plattitüden – tut mir leid, die werden Sie hier nicht finden. Ich habe dieses Spiel satt und ziele hier auf etwas Realistischeres ab.

Als ich ins Aufbaustudium ging, fing ich an, mich als Nathan statt Nate vorzustellen. Ein ziemlich willkürlicher und lächerlicher Versuch, irgendeine Art von Erwachsenwerden oder Ähnlichem zu signalisieren. Aber es blieb hängen, und tatsächlich änderte sich zu dieser Zeit auch etwas an meinem Ernst gegenüber der Musik. In diesem Sinne beantworte ich heute die Frage „Was machst du?" damit, dass ich Musiker bin, nicht Cellist.

Hier eine Liste der Instrumente, die ich in irgendeiner Form professionell gespielt habe. Ich versuche hier nicht, beeindruckend zu wirken, aber der Punkt ist: Ich spiele gerne eine ganze Menge Dinge und hoffe, das auch weiterhin zu tun. Ich habe sie danach geordnet, was ich am besten bis am schlechtesten spiele (seien Sie versichert, es wird zunehmend komischer und peinlicher, je weiter Sie die Liste hinabwandern):

Cello, Viola da gamba, Stimme, Gitarre, Fiddle, Bass, Klavier, Orgel, Perkussion.

Was ich als Musiker mache, lässt sich grob in drei Genres einteilen: Alte Musik, experimentelle/improvisierte Musik (oder „freie Musik", wie der großartige Joe Morris es genannt hat) und traditionelle Musik.

In der Alten Musik bin ich, mit Absicht, hauptsächlich Continuo-Spieler. Seit ich nach Deutschland gezogen bin, suche ich nach einem aktiven Gambenconsort, dem ich beitreten oder das ich mitgründen kann, denn meiner Meinung nach ist es der großartigste Beitrag, den das 16. bis 18. Jahrhundert dem musikalischen Kanon gegeben hat. Je aktiver und kundiger ich in historischer Aufführungspraxis werde, desto mehr zieht es mich zur wirklich „frühen" Seite des Alte-Musik-Spektrums.

Der Großteil meines Spiels fällt in den experimentellen/improvisierten Bereich. Natürlich ist das ein weites Feld. Ich spiele in Gruppen, die ihre eigene Musik schreiben. Ich komponiere für verschiedene Instrumente und konzentriere mich derzeit auf Lieder für Cello und Stimme. Freie Improvisation (mit einer ordentlichen Portion Neuer Musik, was auch immer das bedeuten mag) prägt das meiste, was hier geschieht, und ist eine ziemlich sinnbildliche und einflussreiche Kraft in meinem Leben insgesamt. Für mich war die freie Improvisation das erste Mal, dass ich ohne Angst und mit einem Gefühl nahezu ungebremster Ausdruckskontrolle über ein Instrument auftrat. Eine Art körperloser, abstrakter spiritueller Guru für mein Leben als Musiker.

Ich lege großen Wert darauf, traditionelle Musik zu sagen und nicht Volksmusik. Mich interessiert minimal kommerzialisierte Musik mit enger Verbindung zur mündlichen Überlieferung. Ich glaube, der Begriff „Folk" bezeichnete früher dasselbe, heute nicht mehr so sehr. Aber ich bin kein Dogmatiker, wie sie gespielt werden soll. Ich finde diese Musik formbar; man muss jedoch vorsichtig sein bei ihrer Interpretation. Jede Spielart traditioneller Musik besitzt Schlüsselzutaten, die ihr ihre einzigartige Vitalität verleihen. Verliert man diese, bleibt ein schlaffer Klumpen klanglichen Mülls übrig, brauchbar höchstens für den Abspann einer Unternehmensdoku über Diversität am Arbeitsplatz. Deshalb spiele ich Old-Time-Fiddle, habe mir eine Kemençe gekauft usw.

Ich unterrichte wirklich gerne, wie man Musik spielt und darüber nachdenkt. Früher habe ich in einer Kirche gearbeitet. Die Arbeit mit dem Chor war fantastisch, aber die eindrucksvollsten Momente waren jene, in denen eine Masse von Menschen, die fest überzeugt waren, nicht an Musik teilhaben zu können, dazu gebracht wurde, gemeinsam a cappella zu singen, den Mund zu öffnen. Das ist vielleicht die beste Zusammenfassung des Ganzen: Musik bewirkt etwas im Tun, Hören und Schaffen, das machtvolle und notwendige soziale Implikationen für unser größeres Leben hat.

Nabelschau vorbei. Wenn Sie das gelesen haben (wirklich?) und den starken Impuls verspüren, sich in die Hand zu husten und „Bullshit" zu sagen, dann habe ich wohl meinen Job gemacht. Hoffentlich gefällt Ihnen das Ich, das Klänge und Töne benutzt, nicht Worte, deutlich besser.

Vertreten in folgenden Konzerten

Incense of Music 27
Incense of Music 27
22. Juni 2018
Chris Dahlgren, Nathan Bontrager — Dammar, Kalmus
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