Thymian (Thymus vulgaris)

Thymian

Thymian (Thymus vulgaris) ist ein niedrig wachsender, immergrüner Halbstrauch aus dem Mittelmeerraum mit winzigen, stark aromatischen Blättern und kleinen violett-rosafarbenen Blüten, die zahlreiche Bienen anlocken. Er gehört zur Familie der Lippenblütler und wird nur wenige Zentimeter hoch. Sein Gattungsname geht vermutlich auf das griechische „thyein" zurück – „opfern" bzw. „räuchern" –, ein Hinweis darauf, wie eng die Pflanze seit jeher mit dem Verbrennen als Räucherwerk verbunden ist. Bereits sein wissenschaftlicher Artname „vulgaris" – „gewöhnlich" – verweist darauf, wie weit verbreitet und alltagsnah die Pflanze im Mittelmeerraum seit jeher ist, obwohl ihr Duft und ihre Wirkung alles andere als gewöhnlich sind.

Im alten Ägypten wurde Thymian zur Einbalsamierung verwendet, im antiken Griechenland verräucherte man ihn in Tempeln – das griechische Wort „thymos" wird mit Mut und Lebenskraft in Verbindung gebracht, und griechische Soldaten sollen sich vor der Schlacht mit Thymianöl eingerieben haben, um Tapferkeit zu gewinnen. Im mittelalterlichen Europa legte man Thymianzweige unter das Kopfkissen, um Albträume fernzuhalten und Mut zu schenken, und in England galt wilder Thymian volkstümlich als bevorzugter Aufenthaltsort von Feen. Über Jahrhunderte war er zudem ein fester Bestandteil der Volksmedizin als antiseptisches Mittel bei Atemwegsbeschwerden – eine Wirkung, die sich später auf den Inhaltsstoff Thymol zurückführen ließ, der bis heute in zahlreichen Mundspülungen und Hustenmitteln enthalten ist. In der Küche ist Thymian als Bestandteil der „Herbes de Provence" bekannt, und griechischer Thymianhonig, etwa vom Berg Hymettos, gilt seit der Antike als besondere Delikatesse. Die Römer sollen Thymian zudem in Betten gestreut haben, um Mut zu verleihen und Melancholie zu vertreiben, und Ritter des Mittelalters trugen mitunter ein mit Thymianzweigen besticktes Tuch als Zeichen ihrer Tapferkeit in die Schlacht.

Als Räucherwerk entfaltet Thymian einen warmen, krautigen, leicht medizinisch-grünen Duft mit einer pfeffrigen Schärfe. Er wird mit Mut, Reinigung und Schutz assoziiert und traditionell verwendet, um Räume von Krankheit und negativer Energie zu befreien. Wild wachsender Thymian, oft unter dem Namen Quendel bekannt, findet sich zudem auf trockenen Wiesen und Felshängen weit über den Mittelmeerraum hinaus und wurde in vielen ländlichen Regionen Europas traditionell zusammen mit anderen Kräutern zu Räucherbündeln gebunden. Verräuchert eignet er sich besonders gut in Kombination mit Rosmarin oder Lorbeer, mit denen er in vielen mediterranen Reinigungsritualen traditionell gemeinsam verbrannt wird.

Verwendet in folgenden Konzerten

Incense of Music 40
Incense of Music 40
11. Oktober 2019
Valentina Bellanova, Olaf Rupp, Elena Kakaliagou, Daniel Schröteler — Mastix, Thymian