Orangenblüte (Citrus sinensis)
Die Orangenblüte stammt von den Blüten des Orangenbaums (Citrus sinensis bzw. Citrus aurantium) – kleine, wachsartig-weiße Blüten von intensivem, süßem Duft, die im Frühling an den immergrünen Bäumen blühen, deren Ursprung in Asien liegt und die sich seit Jahrhunderten im gesamten Mittelmeerraum verbreitet haben. Geerntet wird meist im ersten Morgenlicht, solange die empfindlichen ätherischen Öle noch nicht von der Hitze des Tages verflüchtigt sind. Botanisch stammt die Orangenblüte damit von denselben Bäumen, die je nach Art auch die süße Frucht Orange oder, im Fall der Bitterorange, das kostbare Neroliöl und Petitgrain liefern – drei völlig unterschiedliche Räucher- und Duftstoffe aus ein und derselben Pflanzenfamilie. Auch als getrocknete Blüte behält sie über lange Zeit einen erstaunlich großen Teil ihres ursprünglichen Duftes.
In vielen mediterranen und nahöstlichen Kulturen ist Orangenblütenwasser seit langem fester Bestandteil der Küche, von nahöstlichem Gebäck bis zu französischen und spanischen Desserts. In der mediterranen Hochzeitstradition, insbesondere in Sizilien, wo die Blüte als „zagara" bekannt ist, galt die Orangenblüte zudem lange als Symbol von Reinheit und Fruchtbarkeit und zierte Brautsträuße und -kränze. Als eigenständiges Räucherwerk werden die getrockneten Blüten selbst verbrannt – anders als das durch Destillation gewonnene, seit dem 17. Jahrhundert in der Parfümerie geschätzte Neroliöl, das denselben Blüten entstammt, aber ein völlig eigenes Produkt darstellt. Neben den bereits erwähnten kulinarischen Anwendungen werden getrocknete Orangenblüten in vielen nordafrikanischen Haushalten bis heute direkt auf Kohle gestreut, um Wohnräume zu beduften – eine eigenständige, ältere Tradition neben der späteren Destillation zu Neroliöl oder Orangenblütenwasser. Im Iran wird aus Orangenblütenwasser zudem das erfrischende Sommergetränk „Sharbat-e Bahar Narenj" zubereitet.
Verbrannt entfaltet Orangenblüte einen zarten, süß-blumigen Duft mit einer feinen Zitrusfrische. Ihr wird eine zugleich belebende und beruhigende Wirkung nachgesagt, verbunden mit Gefühlen von Freude, Reinheit und Neuanfang. Diese Vielseitigkeit – dieselbe Blüte liefert je nach Verarbeitung ganz unterschiedliche Düfte – macht die Orangenblüte zu einem besonders wandelbaren Kapitel innerhalb der Zitrusfamilie. Wer beide Formen nebeneinander kennenlernt – die verbrannte Blüte und das destillierte Öl –, entdeckt zwei überraschend unterschiedliche Facetten ein und derselben Pflanze. So bleibt die Orangenblüte ein zart-blumiger Klassiker, der Freude und Ruhe zugleich vermittelt. Gerade zu besonderen Anlässen wird sie deshalb bis heute gerne verwendet.
Verwendet in folgenden Konzerten


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