Galbanum („Mutterharz“)

Galbanum besteht aus dem Milchsaft von Ferula galbaniflua (bzw. Ferula erubescens). Die Pflanze gehört zu einer Gruppe von Doldenpflanzen (Riesenfenchel/ Rutenkräuter), die in Persien und östlich des Aralsees häufig vorkommen. Heute wird das Galbanum-Harz vor allem in den Bergen Nordirans gewonnen, etwa 80 Tonnen im Jahr.

 

Galbanumpflanze aus Kurdistan

Es enthält einen wasserlöslichen Gummianteil (20%), alkohollösliche Harze (60%) und ätherisches Öl (6%). Traditionell wird Galbanum eigentlich über die Häfen der Levante gehandelt. In schwierigen Zeiten verlagert sich der Handel auf andere jahrhundertealte Ausweichwege, z. B. nach Kochin an der Malabar-Küste in Südindien. Kochin wurde zum Knotenpunkt für den interkontinentalen Handel mit Gewürzen und Räucherwaren seit der Schaffung des natürlichen Hafenbeckens durch einen Tsunami im Jahr 1341. Und heute ist Kochin Sitz der Indian Pepper And Spice Trade Association sowie des Spices Board India.

Planta de cochim bocarro

Auch seit Beginn des 16. Jahrhunderts, mit Gründung des Vizekönigtums Portugiesisch-Indien, wurde Galbanum nicht mehr nur über die levantinischen Mittelmeerhäfen nach Europa gebracht, sondern vermehrt zwischen Indien und Lissabon verschifft. Es gehörte nicht zu den begehrtesten und besonders teuren orientalischen Kardinalsgewürzen der Portugiesen und Spanier (das waren Pfeffer, Zimt, Nelke, Muskatnuss und Macis), wurde aber bald weit mehr als eine kuriose exotische Beiladung der portugiesischen Karacken und fand in Europa ein weites therapeutisch-palliatives Anwendungsspektrum als sogenanntes „Mutterharz“, d.h. krampflösend bei Menstruation, wehenfördernd und während des Wochenbetts (u. a.).

Pedro Álvares Cabral

Carrack Madre de Deus

Der Geruch der rohen Galbanum-Masse ist rauh und erdig; einige Autoren behaupten, es rieche unangenehm. Im babylonischen Talmud (Kareithoth 6b) heißt es zum Beispiel: „for the galbanum has a bad smell, and yet it was numbered with the ingredients of the incense!“. Trotz seines angeblich zweifelhaften Duftes ist Galbanum gleichwertiger Bestandteil des im Buch Exodus (30:34) und bei Maimonides (u. a.) gegebenen Rezeptes zur Herstellung des heiligen Rauchopfers Ketoret. Auch die Ägypter verehrten das Galbanum als spirituelles Stimulans, und der Legende nach war die Fackel des Lichtbringers Prometheus aus dem verholzten Stamm eines dem Galbanum verwandten Riesenfenchels. Galbanum, vermischt mit Bärenklau, vermag sogar durch bloße Berührung Giftschlangen zu töten, so Plinius (Nat. Hist. Xxiv. 13).

Armada Portuguesa

Erst bei der Räucherung bzw. der Parfümherstellung entwickelt der Galbanumduft seine ganze Tiefe und Vielfarbigkeit. In der Parfümerie wird Galbanum als top note in Komposition mit fruchtigen („grünen“) Duftstoffen bzw. als base note in Komposition etwa mit Moschus oder Pinie eingesetzt. Es ist Bestandteil der folgenden industriell hergestellten Düfte: Chanel No. 19, Guerlain Vol De Nuit, Cartier Must, Balmain Vent Vert, Fresh Galbanum Patchouli, Prince Matchabelli Cachet, Il Profumo Chocolat, Bill Blass Nude, Les Parfums de Rosine Rose d’Amour, Molinard Les Fleurs, Fleur de Figuier, Issey Miyake A Scent, Prada Infusion d’Iris, Chloe Eau de Fleurs Capucine, Azzaro Couture, Etienne Aigner Private Number, Serge Lutens Borneo 1834, Aramis Devin, Miller Harris Patchouli, Laura Biagiotti Roma Per Uomo, and Versace Blue Jeans for Men (http://beauty.about.com/od/fragrancetypes/a/what-is-galbanum.htm).

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