Incense of Music 8

Ein multisensorisches Konzert – Montag, 22. August 2016, 23 Uhr

Hayden Chisholm: Saxophon, Sruti Box, Stimme

Thimios Atzakas: Oud

Katerina Fotinaki: Stimme, Gitarre, Loops

Incense: Boswellia Sacra, Juniperus communis, Elemi

Bögen von Agios Dimitrios, Agios Lavrentios, Griechenland – im Rahmen des Music Village Festivals – music-village.gr

Das achte Konzert der Reihe Incense of Music fand im wunderschönen Agios Lavrentios statt, einem Dorf in den grünen Bergen des Pilion, während des alljährlichen Music-Village-Festivals in der zweiten Augusthälfte. Ein Trio großartiger Musiker:innen – Katerina Fotinaki, Thimios Atzakas und Hayden Chisholm – bot in einer warmen Sommernacht ein wunderschönes musikalisches Erlebnis, begleitet vom Duft des Räucherwerks. Was will man mehr? Auch das griechische Fernsehen war zugegen: die Sendung „Kontrapounto" auf ERT3.

Kontrapounto, ERT3

Räucherwerk wird für die unterschiedlichsten Zwecke verwendet – in Zeremonien aller großen Religionen, als Unterstützung spiritueller Praxis, in der Aromatherapie, bei der Meditation, aber auch schlicht zur Freude. Düfte sprechen den am meisten vernachlässigten Sinn der modernen Zeit an: den Geruchssinn. Sie berühren den menschlichen Geist, beeinflussen seine Wahrnehmung, eröffnen neue Erfahrungen. Diese Eigenschaften legen es nahe, diese uralte, in jeder Kultur präsente Kunst mit Musik und bildender Kunst zu verbinden – zu einem synästhetischen Projekt zwischen Sehen, Hören und Riechen, das die sinnliche Erfahrung verstärkt, die aus dem Zusammentreffen von Bildern, Düften und Klängen im Gehirn entsteht.

Für Gäste, die besonders empfindlich auf Rauch reagieren, wird dieses Ereignis nicht empfohlen.

Hayden Chisholm, Thimios Atzakas, Katerina Fotinaki

Künstler:innen

Hayden Chisholm — Saxophon, Sruti Box, Stimme

Hayden Chisholm (*1975) wuchs in New Plymouth, Neuseeland, auf. Seine vielfältigen multi-instrumentalen und kompositorischen Studien sowie seine Reiselust führten ihn früh an Hochschulen in der Schweiz, Griechenland, Indien, Jugoslawien und Japan, bevor er mit einem DAAD-Stipendium bei Frank Gratkowski an der Musikhochschule Köln sein Saxophonstudium abschloss und seine Studien anschließend in Japan und Indien fortsetzte. Durch seine enge Verbindung mit Nils Wograms Root 70 wurde er in den 1990er Jahren dort zu einer Lokalgröße mit überregionaler Strahlkraft. 1995 entwickelte er ein radikal neues mikrotonales System für Saxophon, das er „Split Scales" nannte und auf seinem Debütsolo-Album „Circe" vorstellte. Ab 1995 unternahm er zudem Konzerttourneen durch Indien, Europa, Afrika und Lateinamerika, unter anderem mit dem Pianisten John Taylor. Seine Kompositionen wurden von BBC und WDR gesendet, und er tourte und nahm ausgiebig mit Formationen wie Root 70, der WDR Big Band, dem Musikfabrik Ensemble und David Sylvian auf. Seit 2002 arbeitet Chisholm mit der Aktionskünstlerin Rebecca Horn zusammen, komponierte Musik für mehrere ihrer Installationen sowie Filmmusiken und schuf die Musik zum Dokumentarfilm „Moon Mirror Journey". Chisholm ist als Protagonist im Dokumentarfilm „Sound of Heimat – Deutschland singt" (2012) von Arne Birkenstock und Jan Tengeler zu sehen. Er unterrichtete an Hochschulen weltweit, gibt jährliche Meisterklassen in Griechenland und kuratiert das jährliche Plushmusic-Festival in Köln und Bremen. 2013 wurde ihm für seine „einzigartige Klangästhetik" der SWR-Jazzpreis verliehen, und er veröffentlichte die 13-teilige CD-Box „13 Views of the Heart's Cargo", die sein bisheriges Œuvre als Musiker und Komponist zusammenfasst.

haydenchisholm.net, softspeakers.com

Thimios Atzakas — Oud

Thimios Atzakas wurde 1971 in Thessaloniki geboren. Er studierte klassische Gitarre bei Costas Kotsiolis, Hubert Käppel und Carlo Marchione sowie Oud und modale Musik bei Ziad Rajab, Behnam Manadjedi und Ross Daly. Er ist Absolvent des Neuen Konservatoriums Thessaloniki, der Hochschule für Musik Köln sowie der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. 2013 schloss er an der Universität der Ägäis seine Doktorarbeit zum Thema „People of the Wood – The Art of Oud from the Outskirts of Eastern Music World to the Contemporary Greek Urban Culture" ab. Von 1998 bis 2004 lebte er in Berlin. In den letzten zehn Jahren galt sein künstlerischer Fokus dem Spiel und der Erforschung der Oud und modaler nahöstlicher Musiktraditionen sowie Komposition und Improvisation; zugleich ist er als Interpret klassischer und zeitgenössischer Musik aktiv. Er gründete mehrere Ensembles, darunter das Armos Ensemble, das Tropos Quartet Berlin sowie gemeinsam mit Antonis Anissegos das Ensemble ΣΩΜΑ. Seit 2010 ist er Mitglied des auf Musik des Mittelalters und der Renaissance spezialisierten Ensembles Ex Silentio. Seit 2005 unterrichtet er Oud und Ensemblespiel traditioneller griechischer Musik an der Fakultät für Musikwissenschaft der Universität Makedonia. Seit 2006 ist er Organisator und künstlerischer Leiter des internationalen Sommerkurses „Music Village", der jährlich zwei Wochen lang in Agios Lavrentios, Pilion, stattfindet – dem Ort des heutigen Konzerts.

carpediem-records.de

Katerina Fotinaki

Katerina Fotinaki — Stimme, Gitarre, Loops

Katerina Fotinaki (GR, *1979) studierte klassische Literatur an der Universität Athen sowie Gesangstechnik am Institute of Vocal Arts beim Bariton Spyros Sakkas. Sie war künstlerische Leiterin mehrerer Projekte in Griechenland und erhielt zahlreiche Preise bei Kompositionswettbewerben. 2006 zog sie, eingeladen von der Komponistin Angélique Ionatos, nach Paris und kreierte mit ihr drei verschiedene Bühnenprogramme sowie eine gemeinsame CD/DVD ihrer Duette. Katerina war über mehrere Jahre Stipendiatin der Cité des Arts. Im Dezember 2011 gewann sie bei einem von der Alexander-S.-Onassis-Stiftung durchgeführten nationalen Songwriter-Wettbewerb in Athen den ersten Preis für ihr Lied „To Oniro" nach einem Gedicht von Dionysios Solomos und begann damit ihre solistische Diskografie mit dem Album „Tzitzikia" (Accords Croisés/Harmonia Mundi), das von der französischen Presse mit großer Begeisterung aufgenommen wurde (fff-Bewertung von Télérama, 4. beste CD des Jahres 2014 laut Le Monde). Neben griechischer Musik und Poesie studierte Katerina Fotinaki zeitgenössische Musik beim Komponisten Bernard Cavanna am Konservatorium Gennevilliers. Seit 2014 unterrichtet sie am Nationaltheater Nordgriechenlands.

Räucherpflanzen

Weihrauch
Boswellia Sacra (Weihrauch)

Weihrauch stammt von kleinen, sommergrünen Bäumen der Gattung Boswellia, die in den trockenen Regionen Somalias, Jemens, Omans und weiterer Teile des Horns von Afrika sowie der Arabischen Halbinsel und Indiens wachsen. Aus Einschnitten in die Rinde tritt ein milchiger Saft aus, der an der Luft zu aromatischen, tränenförmigen Harzstücken erstarrt – den sogenannten „Weihrauchtränen".

Weihrauch zählt zu den ältesten und kostbarsten Räucherstoffen der Menschheitsgeschichte und wurde seit über 5.000 Jahren entlang der legendären Weihrauchstraße gehandelt, die Arabien mit dem Mittelmeerraum verband. Er spielte eine zentrale Rolle in den religiösen Riten des alten Ägyptens und Mesopotamiens sowie im Judentum, Christentum und Islam – im Neuen Testament gilt er als eines der drei Geschenke der Weisen an das Jesuskind. Über Jahrhunderte wurde er so hoch geschätzt, dass sein Wert dem von Gold gleichkam.

Als Räucherwerk entfaltet Weihrauch einen warmen, harzigen Duft mit feinen Noten von Zitrus und Kiefer. Er gilt vielen als der archetypische Räucherstoff schlechthin und wird bis heute mit Reinigung, Gebet und der Schaffung heiliger Räume in zahlreichen religiösen Traditionen weltweit verbunden.

Wacholder
Juniperus communis (Wacholder)

Der Gemeine Wacholder (Juniperus communis) ist ein immergrüner Nadelstrauch oder kleiner Baum aus der Familie der Zypressengewächse mit dem größten natürlichen Verbreitungsgebiet aller Gehölze der Nordhalbkugel – von Nordamerika über Europa bis nach Nordasien. Seine nadelartigen, stechenden Blätter und die charakteristischen blauschwarzen, beerenartigen Zapfen sind unverwechselbar.

Wacholder zählt zu den ältesten bekannten Räucherstoffen Europas und wurde bereits in der Antike zur Reinigung von Krankenzimmern und zur Abwehr von Seuchen verbrannt. In vielen europäischen Kulturen galt er als Schutzpflanze gegen böse Geister und wurde zu Neujahr und an anderen Schwellenmomenten des Jahres verräuchert. Auch in der traditionellen Medizin nordamerikanischer indigener Völker sowie im Alpenraum spielte Wacholder eine wichtige Rolle bei Reinigungsritualen und zur Desinfektion.

Als Räucherwerk entfaltet Wacholder einen frischen, herb-harzigen, leicht holzigen Duft mit einer waldigen Kühle. Er wird traditionell mit Reinigung, Schutz und dem Vertreiben negativer Energien assoziiert und gilt als kraftvoller, erdender Begleiter für Übergänge und Neuanfänge.

Elemi
Elemi

Elemi ist das Harz von Canarium luzonicum, einem tropischen, immergrünen Baum aus der Familie der Balsambaumgewächse – derselben Familie, der auch Weihrauch und Myrrhe entstammen. Die Gattung Canarium umfasst rund 100 tropische und subtropische Baumarten, die von Westafrika über Süd- und Südostasien bis zu den pazifischen Inseln verbreitet sind; die Bäume können 40 bis 50 Meter Höhe erreichen. Aus Einschnitten in die Rinde tritt ein weiches, blassgelbes, honigähnliches Harz aus, aus dem durch Wasserdampfdestillation das ätherische Elemi-Öl gewonnen wird.

Der Name Elemi soll auf eine arabische Redewendung zurückgehen, die sinngemäß „wie oben, so unten" bedeutet – eine Abkürzung des hermetischen Prinzips „Wie oben, so unten", das auf eine besondere, erhabene Wirkung auf Gemüt und Geist verweist. Elemi wurde seit langem in der traditionellen Medizin Südostasiens sowie im alten Ägypten verwendet, unter anderem bei der Einbalsamierung. In der europäischen Pharmazie war es über Jahrhunderte ein geschätzter Bestandteil wundheilender Balsame und Salben und wird bis heute in der Kräutermedizin bei Bronchitis, Katarrh, hartnäckigem Husten sowie zur Hautpflege eingesetzt. Kommerziell findet das Harz zudem Verwendung in Lacken, Firnissen und bestimmten Drucktinten.

Als Räucherwerk entfaltet Elemi einen frischen, scharfen, zitrusartig-harzigen Duft mit Anklängen an Kiefernnadeln – heller und zitroniger als klassischer Weihrauch. Er wird mit geistiger Klarheit und einer belebenden, erfrischenden Wirkung assoziiert.