Incense of Music 16
Love in Numbers — Das Elemi-Quartett spielt Werke von Hayden Chisholm
Ein olfaktorisches Konzert – Donnerstag, 25. Mai 2017, 16 Uhr
Christian Weidner: Altsaxophon
Philip Gerschlauer: Altsaxophon
Moritz Köther: Altsaxophon
Bastian Duncker: Altsaxophon
Komposition: Hayden Chisholm
St. Elisabethkirche, Berlin Mitte — erster Abend von „Zeig Dich!", Evangelischer Kirchentag 2017
Zum Auftakt von „Zeig Dich!" beim Evangelischen Kirchentag 2017 gastiert Incense of Music mit dem Elemi-Quartett in der St. Elisabethkirche in Berlin Mitte. Das Quartett – vier Altsaxophone – spielt das Werk „Love in Numbers" von Hayden Chisholm sowie weitere Stücke des neuseeländischen Komponisten, der sich intensiv mit Obertönen beschäftigt, darunter eine Weltpremiere: „Elegie", eigens für diesen Anlass komponiert. Chisholm selbst tritt an diesem Abend nicht als Musiker auf, doch seine Klangwelt aus mikrotonalen Verschiebungen und schwebenden Obertonstrukturen durchzieht das gesamte Programm. Dazu verräuchern wir Elemi und Myrrhe.
Incense of Music ist eine olfaktorische Konzertreihe, in der simultan zur erklingenden Musik exquisites Räucherwerk verbrannt wird. Klänge und Gerüche durchdringen sich synästhetisch und interagieren auf eine Weise, die den sinnlichen Fokus der Hörer:innen und Musiker:innen verstärkt und das gemeinsame spirituelle Gewahrsein unterstützt. Denn im Moment ihres Verlöschens gibt die Pflanze etwas an uns weiter. Ihre Essenz wird in das geistig-körperliche Wesen des Menschen hineingetragen, hinübergespielt. Unsichtbar wie die Töne strömen die Duftmoleküle auf uns ein. Sie teilen sich uns mit, indem sie unseren Geist verändern.
Für Gäste, die besonders empfindlich auf Rauch reagieren, wird dieses Ereignis nicht empfohlen.
Künstler:innen
Christian Weidner — Altsaxophon
Christian Weidner (*4. März 1976 in Kassel) begann im Alter von sieben Jahren Klavier zu spielen und entdeckte mit zwölf Jahren das Altsaxophon und den Jazz. Früh sammelte er Erfahrungen im Landesjugendjazzorchester Hessen und im Bundesjazzorchester (BuJazzO). Mit 18 Jahren wurde er von Gunter Hampel engagiert, mit dem er bis 2002 acht Jahre zusammenarbeitete, und spielte zudem im Deutsch-Französischen Jazzensemble unter der Leitung von Albert Mangelsdorff. 1996 gewann er mit dem von ihm geleiteten Naima Jazzquintett den Bundeswettbewerb „Jugend jazzt". Weidner studierte an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, als Erasmus-Austauschstudent an der Königlichen Musikhochschule Stockholm und schließlich an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler" Berlin, wo er 2002 abschloss; zu seinen Lehrer:innen zählten Jeff Clayton, John Ruocco, Joakim Milder und Kenny Werner. Seit 1999 lebt er in Berlin und war seither in zahlreichen international renommierten Projekten aktiv, darunter „Royce" mit Simon Stockhausen, Frank Gratkowskis mikrotonales Saxophonquartett „Fo[u]r Alto", das legendäre Trio „Der Rote Bereich" von Frank Möbus sowie das Robert Landfermann Quintet. Weidner erhielt zweimal den Senatspreis der Stadt Berlin (2001 und 2004) und ist heute Professor an der HMDK Stuttgart.
Philip Gerschlauer — Altsaxophon
Philipp Gerschlauer (*30. September 1986 in Lich) begann im Alter von sieben Jahren mit dem Saxophonspiel, inspiriert durch die Muppet-Show-Figur Zoot, und nahm mit zehn Jahren zusätzlich Klavierunterricht. Bereits mit 16 Jahren wurde er Jungstudent für klassisches Saxophon an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt und war von 2004 bis 2010 Mitglied des Landesjugendjazzorchesters Hessen. Nach einem Studium in Mainz wechselte er 2009 ans Jazz-Institut Berlin, um bei Peter Weniger zu studieren, und zog 2012 nach New York, um an der New York University seinen Master bei Tony Moreno, Chris Potter und Stefon Harris abzuschließen. Gerschlauer gilt als einer der weltweit führenden mikrotonalen Saxophonisten und hat die Oktave auf seinem Instrument in 128 Töne unterteilt. Seit 2018 lernt er zusätzlich Kirchenorgel, um beide Instrumente simultan zu spielen. Tourneen führten ihn u.a. nach Russland, Japan, in die USA, nach China, Jordanien, Syrien, Palästina, Israel und in den Libanon. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.
Moritz Köther — Altsaxophon
Moritz Köther entdeckte seine Liebe zur Musik und zum Saxophon erst im Alter von 16 Jahren – zuvor verbrachte er seine Zeit vor allem auf dem Skatepark. Von 2007 bis 2009 studierte er an der Hochschule für Musik und Tanz Köln bei Frank Haunschild, bevor er von 2009 bis 2013 am Jazz-Institut Berlin bei Peter Weniger und Kurt Rosenwinkel weiterstudierte und mit dem Bachelor abschloss. Er ist eine der aktivsten Persönlichkeiten der Berliner Jazzszene und hat mit Musiker:innen wie Johnny Griffin, Kurt Rosenwinkel, Till Brönner und Wanja Slavin gespielt und aufgenommen. Zu seinen eigenen Projekten zählen das Duo Hjortron mit dem Schweizer Gitarristen Anatole Buccella und die Band Hypnochrome. Er ist als international gefragter Tourneemusiker unterwegs, mit Konzerten von der Mercedes-Benz-Arena in Berlin bis zum Bürgermeisteramt in Singapur.
Bastian Duncker — Altsaxophon
Bastian Duncker wurde 1989 in Kiel geboren und spielt verschiedene Blasinstrumente, hauptsächlich Alt- und Baritonsaxophon. Von 2007 bis 2012 studierte er am Jazz-Institut Berlin bei Peter Weniger, Greg Cohen und Claudio Puntin. 2012/2013 war er Artist in Residence bei „musicmatters" in Colombo, Sri Lanka. Seit 2014 ist er fester Bestandteil der Hausband des Berliner Plattenlabels Philophon und ein aktiver Teil der Berliner Jazzszene. Auftritte und Veröffentlichungen hatte er u.a. mit Stella Chiweshe, Gunter Hampel, Hayden Chisholm, Guy One & the Polyversal Souls, Hailu Mergia, John Hollenbeck, Idris Ackamoor & the Pyramids und James Wylie. Konzerttourneen und Workshops führten ihn u.a. nach Algerien, Ghana, Nigeria, Togo, Benin, in die Elfenbeinküste, nach Mexiko, Sri Lanka und Indien.
Hayden Chisholm — Komposition
Hayden wuchs in New Plymouth, Neuseeland, auf. Seine vielfältigen multi-instrumentalen und kompositorischen Studien sowie seine Reiselust führten ihn früh an Hochschulen in der Schweiz, Griechenland, Indien, Jugoslawien und Japan, bevor er als Saxophonist bei Frank Gratkowski an der Musikhochschule Köln sein Saxophonstudium abschloss. Durch seine enge Verbindung mit Nils Wograms Root 70 wurde er in den 1990er Jahren dort zu einer Lokalgröße mit überregionaler Strahlkraft. Ab 1995 unternahm er Konzerttourneen durch Indien, Europa, Afrika und Lateinamerika, unter anderem mit dem Pianisten John Taylor. Seit 2002 arbeitet Chisholm mit der Aktionskünstlerin Rebecca Horn zusammen und komponierte die Musik zum Dokumentarfilm „Moon Mirror Journey". Chisholm ist als Protagonist im Dokumentarfilm „Sound of Heimat – Deutschland singt" (2012) von Arne Birkenstock und Jan Tengeler zu sehen. 2013 wurde ihm für seine „einzigartige Klangästhetik" der SWR-Jazzpreis verliehen. Chisholm gilt zudem als Entwickler einer neuen mikrotonalen Sprache für Saxophon in den 1990er Jahren und gründete 2011 die Moontower Foundation Music Edition.
Räucherpflanzen
Elemi ist das Harz von Canarium luzonicum, einem tropischen, immergrünen Baum aus der Familie der Balsambaumgewächse – derselben Familie, der auch Weihrauch und Myrrhe entstammen. Die Gattung Canarium umfasst rund 100 tropische und subtropische Baumarten, die von Westafrika über Süd- und Südostasien bis zu den pazifischen Inseln verbreitet sind; die Bäume können 40 bis 50 Meter Höhe erreichen. Aus Einschnitten in die Rinde tritt ein weiches, blassgelbes, honigähnliches Harz aus, aus dem durch Wasserdampfdestillation das ätherische Elemi-Öl gewonnen wird.
Der Name Elemi soll auf eine arabische Redewendung zurückgehen, die sinngemäß „wie oben, so unten" bedeutet – eine Abkürzung des hermetischen Prinzips „Wie oben, so unten", das auf eine besondere, erhabene Wirkung auf Gemüt und Geist verweist. Elemi wurde seit langem in der traditionellen Medizin Südostasiens sowie im alten Ägypten verwendet, unter anderem bei der Einbalsamierung. In der europäischen Pharmazie war es über Jahrhunderte ein geschätzter Bestandteil wundheilender Balsame und Salben und wird bis heute in der Kräutermedizin bei Bronchitis, Katarrh, hartnäckigem Husten sowie zur Hautpflege eingesetzt. Kommerziell findet das Harz zudem Verwendung in Lacken, Firnissen und bestimmten Drucktinten.
Als Räucherwerk entfaltet Elemi einen frischen, scharfen, zitrusartig-harzigen Duft mit Anklängen an Kiefernnadeln – heller und zitroniger als klassischer Weihrauch. Er wird mit geistiger Klarheit und einer belebenden, erfrischenden Wirkung assoziiert.
Myrrhe stammt von kleinen, dornigen Bäumen der Gattung Commiphora, die in den trockenen, kargen Regionen Nordostafrikas und des Nahen Ostens beheimatet sind – vor allem in Somalia, Jemen und Äthiopien. Das wertvolle Harz ist nicht das Holz oder der Saft, sondern ein duftendes Gummiharz, das natürlich aus der Rinde austritt, um Wunden zu schließen. Harzsammler machen gezielte Schnitte, um diese wertvolle Absonderung zu fördern, die über mehrere Wochen zu tränenförmigen, rötlich-braunen Körnern erstarrt.
Myrrhe wird seit über 4.000 Jahren entlang derselben Handelsrouten transportiert, die einst Arabien, Ägypten und den Mittelmeerraum verbanden. Bereits der altägyptische Pharao Sahure aus der 5. Dynastie ließ eine der frühesten belegten Expeditionen ins Land Punt am Horn von Afrika unternehmen, um große Mengen Myrrhe und Weihrauch zu beschaffen. Die alten Ägypter verwendeten sie zur Einbalsamierung und bei Tempelriten; sie wurde als Opfergabe im Judentum, im frühen Christentum und im Islam verräuchert und gilt in der Bibel als eines der drei Geschenke der Weisen an das Jesuskind – neben Gold und Weihrauch. Im Neuen Testament wird zudem berichtet, dass Jesus vor der Kreuzigung Wein mit Myrrhe angeboten wurde und sein Leichnam nach der Kreuzigung mit einer Mischung aus Myrrhe und Aloe eingehüllt wurde.
Beim Verbrennen entfaltet Myrrhe ein reiches, komplexes Aroma, das gleichzeitig erdig, bitter-süß und leicht medizinisch ist. Im Gegensatz zu blumigen Düften verleiht sie eine tiefe, erdende Basisnote und wird bis heute für Meditation, Tempelzeremonien und Momente verwendet, die Schwere und Stille verlangen statt Leichtigkeit.

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