Journal — Zeremonien, Teil 5/5

Zeremonien mit Räuchern: Asien

Feldnotizen · 5. November 2025

Der fünfte und letzte Teil der Reihe führt in den einzigen Kontinent, auf dem das Räuchern zu einer eigenen, formalisierten Kunst mit eigenem Regelwerk wurde, gleichrangig neben Teezeremonie und Blumenkunst.

Agarholz (Oud) hoher Qualität — Foto: Hafizmuar, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

In Japan zählt kōdō — wörtlich ‘der Weg des Duftes’ — neben chadō, der Teezeremonie, und kadō, der Blumenkunst, zu den drei klassischen ‘Wegen’ der japanischen Ästhetik. Anders als der westliche Sprachgebrauch nahelegt, ‘riecht’ man beim kōdō nicht an Duftholz — man ‘hört’ es, monkō, ‘Duft hören’. Diese Wortwahl ist kein bloßes Bild: Sie verweist auf eine Haltung konzentrierter, fast meditativer Aufmerksamkeit, wie man sie sonst eher dem Hören von Musik zuschreibt als dem Riechen.

Im Zentrum von kōdō steht fast ausschließlich Jinkō, Adlerholz oder Agarholz — jenes dunkle, harzdurchtränkte Holz, das entsteht, wenn Bäume der Gattung Aquilaria von einem bestimmten Schimmelpilz befallen werden und als Abwehrreaktion ein dichtes, stark duftendes Harz in ihr Gewebe einlagern. Unversehrtes Aquilaria-Holz riecht kaum; erst die Verletzung macht es wertvoll — eine der seltenen Pflanzenstoffe, bei denen genau der Abwehrmechanismus zum begehrten Duft wird, nicht die gesunde Pflanze selbst.

Beim traditionellen Gesellschaftsspiel genjikō, das mit den 54 Kapiteln der Genji-Monogatari verknüpft ist, erraten die Teilnehmenden reihum, welche von mehreren erhitzten Holzproben identisch riechen und welche sich unterscheiden — eine Übung in Unterscheidungsvermögen, die traditionell mit literarischer Bildung und höfischer Raffinesse verbunden wurde und bis heute in spezialisierten Schulen weitergegeben wird.

In China reicht die Verwendung von Räucherwerk in Tempeln mindestens bis in die Han-Dynastie zurück; Räucherstäbchen — Sandelholz, Nelken, verschiedene Harze, oft zu langen, dünnen Stäben gepresst — gehören bis heute zum festen Bestandteil buddhistischer wie taoistischer Tempelbesuche, wo Gläubige sie vor Statuen aufstellen, oft in ungerader Zahl, meist drei, symbolisch für Buddha, Dharma und Sangha. Der aufsteigende Rauch gilt dabei als sichtbare Verbindung zwischen der Welt der Lebenden und jener der Götter und Ahnen.

Indien wiederum kennt mit dhoop und agarbatti (Räucherstäbchen) eine der am weitesten verbreiteten Alltagsformen des Räucherns überhaupt — kaum ein hinduistischer Haushalt, in dem nicht täglich, meist am Morgen, im Rahmen der puja vor einem kleinen häuslichen Schrein Räucherstäbchen entzündet werden, oft begleitet von einer brennenden Ölflamme, der arti. Anders als beim japanischen kōdō ist dies keine kontemplative Einzelkunst, sondern eine niedrigschwellige, tägliche Praxis, die religiöse Hingabe in den unmittelbaren häuslichen Alltag einbettet.

Im tibetischen Buddhismus wiederum ist das sang-Opfer eine der sichtbarsten Alltagszeremonien überhaupt: Auf kleinen Steinaltären vor Häusern, Klöstern und an Bergpässen verbrennt man Mischungen aus Wacholder, Rhododendron und verschiedenen Kräutern, oft schon in den frühen Morgenstunden — der aufsteigende Rauch gilt als Opfergabe an Ortsgottheiten und Schutzgeister und ist im tibetischen Kulturraum so allgegenwärtig, dass er für viele Reisende zum eigentlichen Geruch des Himalaya wird, noch vor jedem Räucherstäbchen.

Agarholz selbst verbindet nahezu alle diese Traditionen als teuerstes und am meisten gehandeltes Räuchermaterial Asiens — Spitzenqualitäten aus wilden, natürlich infizierten Bäumen erzielen auf dem internationalen Markt Preise, die weit über denen von Gold pro Gramm liegen, was inzwischen zu erheblichem Druck auf wilde Aquilaria-Populationen und zu einem wachsenden, kontrovers diskutierten Anbau in Plantagen geführt hat.

Was diese so verschiedenen Traditionen — das japanische Hören von Duft, das chinesische Verbinden mit den Ahnen, die indische tägliche Hingabe — eint, ist eine Selbstverständlichkeit, mit der Duft in Asien seit Jahrtausenden als eigenständige, ernstzunehmende Sinnesform behandelt wird, nicht als Beiwerk zu anderen Künsten, sondern, im Fall von kōdō, ausdrücklich als eine von ihnen. Es war daher kein Zufall, dass Incense of Music 67 im Oktober 2025 mit genau diesem Material arbeitete: Agarholz, jenem Duft, der in Asien seit Jahrhunderten nicht nur gerochen, sondern gehört wird.

Damit schließt sich auch dieser kleine Streifzug durch die Räucherzeremonien der fünf Kontinente — fünf sehr unterschiedliche Antworten auf dieselbe uralte menschliche Geste: ein Feuer, ein Duft, ein Moment, der dadurch zu etwas Besonderem wird.