Incense of Music 13
Ein olfaktorisches Konzert – Sonntag, 2. April 2017, 21 Uhr (Einlass 20 Uhr)
Arkady Shilkloper: Waldhorn, Alphorn, Flügelhorn
Vadim Neselovskyi: Klavier, Melodica
Palais im Roten Salon, Volksbühne Berlin – Link Volksbühne
Arkady Shilkloper und Vadim Neselovskyi bilden bereits seit mehreren Jahren ein für Jazzverhältnisse ungewöhnliches Duo. Horn und Klavier, diese kammermusikalische Besetzung, die bewusst auf jegliche Rhythmusunterstützung wie Bass oder Schlagzeug verzichtet, zeichnet eine sehr eigenwillige Musikalität aus, die sich aus verschiedensten Einflüssen nährt: europäische Klassik, russische und ukrainische Folklore, Jazz und vieles mehr. Die Zusammenarbeit der beiden Ausnahmekünstler hat bereits zwei CDs hervorgebracht: „Krai" (2013) und „Last Snow" (2014). Simultan zum Konzert werden Birke und Bernstein verräuchert.
Für Gäste, die besonders empfindlich auf Rauch reagieren, wird dieses Ereignis nicht empfohlen.
Foto: Fabio Dondero
Künstler:innen
Arkady Shilkloper — Waldhorn, Alphorn, Flügelhorn
Arkady Shilkloper, Multiinstrumentalist (Waldhorn, Flügelhorn, Alphorn und andere), war ehemaliges Mitglied des Bolschoi-Orchesters und der Moskauer Philharmoniker. Anfang der 1980er Jahre wandte er sich dem Jazz zu und gründete 1990 zusammen mit Michail Alperin und Sergey Starostin das Moscow Art Trio. Konzerte und Aufnahmen entstanden u.a. mit dem Vienna Art Orchestra, Rabih Abou-Khalil, Sergey Letov, Elvin Jones, Christian Muthspiel, Vadim Neselovskyi und Sergey Nakariakov. Shilkloper tritt regelmäßig auch als Solist mit Orchestern auf und lebt in Berlin.
Vadim Neselovskyi — Klavier, Melodica
Vadim Neselovskyi (*1977) ist ein ukrainischer Jazzpianist, Komponist und Hochschullehrer. Er besuchte das Konservatorium in Odessa und kam 1995 als jüdischer Kontingentflüchtling nach Unna-Massen, wo er den Bachelor an der Hochschule für Musik Detmold erwarb. Nach dem Diplom am Berklee College of Music erwarb er den Master am Thelonious Monk Institute in New Orleans. Seit Mitte der 2000er-Jahre arbeitete er u.a. mit Gary Burton (Next Generation) und Christian Finger; 2009 nahmen ihn Herbie Hancock und Dee Dee Bridgewater mit auf eine Tour durch Indien. 2007 legte er sein Debütalbum „Spring Song" mit Eigenkompositionen vor, an dem die holländische Sängerin Vera Westera mitwirkte. 2011 entstand in Stamford sein Soloalbum „Music for September" (Sunnyside Records). 2013 spielte er im Trio „Bez Granitz" mit Bodek Janke (Schlagzeug) und Alexander Morsey (Bass); 2014 war er mit Jeff Denson auf Tournee. Neselovskyi ist Assistant Professor am Berklee College of Music.
Räucherpflanzen
Die Birke (Betula) bildet eine eigene Pflanzengattung mit rund 100 Arten, die auf der gesamten Nordhalbkugel vorkommen – von Europa über Russland und Asien bis nach Japan und Nordamerika. Birken sind oft Pionierpflanzen und gedeihen sowohl auf trockenen wie nassen Böden, in Heidegebieten, auf Dünen wie im Moor – selbst auf Häusern und Ruinen. Neben Espe und Kiefer zählten sie zu den ersten Bäumen, die nach der letzten Eiszeit Wälder bildeten.
Bis heute ist die Birke ein Baum, der im magischen wie alltäglichen Leben fast überall in Gebrauch geblieben ist: als klassischer Maibaum und bei Fronleichnamsprozessionen, zur Herstellung von Besen und Birkenpech, als Schutzbaum zur Markierung unfallträchtiger, unbeleuchteter Kurven – da helle Birkenrinde auch in der Dämmerung gut sichtbar ist –, als Symbol der Fruchtbarkeit und Ingredienz sexualmagischer Praktiken des Mittelalters sowie zur Herstellung antiseptischer Brotboxen. Der aus Birkensaft gewonnene Zucker Xylit erfreut sich heute erneuter Beliebtheit in der Zahnheilkunde wegen seiner kariesabtötenden Wirkung; der untere Teil der Birkenrinde ist sogar essbar und lässt sich wie Spaghetti zubereiten. Das Deutsche Wörterbuch der Gebrüder Grimm beschreibt sie so: „Die Birke ist ein Baum der Freude und der weidenden Schäfer, mit deren Laub sie sich schmücken, in deren Schatten sie lagern, in deren weiße, weiche Rinde sie Namen einschneiden."
Als Räucherwerk entfaltet Birke einen hellen, harzig-süßen, leicht rauchigen Duft. Sie wird mit Reinigung, Neubeginn und der Kraft des ersten Frühlingslichts assoziiert und gilt seit jeher als Baum der Erneuerung nach dem Winter.
Birkenwald in Finnland
Bernstein (aus mittelniederdeutsch „Börnesteen", d.h. „Brennstein") ist ein fossiles Harz, das von einer ausgestorbenen, bis heute nicht eindeutig identifizierten Pflanzenart stammt. Die bei weitem häufigste Bernsteinart ist das Succinit, von dem allein im Baltikum schätzungsweise noch mehr als 640.000 Tonnen im Boden lagern. Schon Aristoteles vermutete eine pflanzliche Herkunft, doch erst Mitte des 18. Jahrhunderts gelang dem russischen Gelehrten Michail Lomonossow der wissenschaftliche Nachweis des Bernsteins als fossiles Baumharz.
Seit Jahrtausenden wurde Bernstein im Ostseeraum zu Schmuck verarbeitet oder als Rohstoff in die Kulturen des Mittelmeerraums exportiert; in Ägypten fanden sich über 6.000 Jahre alte kunsthandwerkliche Gegenstände aus baltischem Bernstein, und Kaiser Nero verbrauchte ihn in Massen. Durch Reibung lädt sich Bernstein elektrostatisch auf und wurde daher schon in der Antike zur Reinigung der Luft von Staubteilchen eingesetzt – das altgriechische Wort für Bernstein, ḗlektron, ist zugleich Namensgeber unseres Wortes „Elektrizität", und die Ostseeinseln, von denen aus die alten Bernsteinstraßen nach Süden zogen, nannte man in Griechenland die „Elektriden". Seine außergewöhnlichen Eigenschaften – Brennbarkeit, Lichtdurchlässigkeit, Elektrostatik, Färbung – machten Succinit in vielen Kulturen zu einem mythischen Stein: dem „Gold des Nordens", den Tränen der Heliaden, dem Bernsteinschloss der litauischen Sage um Jūratė und Kastytis. Bis heute wird es, ähnlich wie in Indien und in den Ritualen der Sufis, aufgrund seiner wohlriechenden ätherischen Öle verräuchert.
Bernstein enthält zudem oft Inklusen ausgestorbener Tier- und Pflanzenarten – etwa 4.500 pro Tonne im Bitterfelder Succinit –, die von der Antike bis zu „Jurassic Park" die wissenschaftliche wie poetische Phantasie beflügelt haben. Der römische Dichter Martial schrieb dazu in seinem Epigramm „De ape electro inclusa" („Auf eine Biene im Bernstein verschlossen"): „Der Bernstein birgt und zeigt die Biene doch darbei; es scheint, ob sie bedeckt durch ihren Honig sei. Sie hätte nicht gekonnt ein schöners Grab erwerben, vermutlich hat sie hier gewünscht also zu sterben." Als Räucherwerk entfaltet Bernstein einen warmen, harzig-süßen Duft mit einer feinen, leicht animalischen Tiefe.
Das Bernsteinzimmer
Bernsteinfischer und Bernsteingräber

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