Adlerholz (Aquilaria spp.)

Agarwood

Adlerholz stammt nicht von einer einzelnen Baumart, sondern von rund fünfzehn Arten der Gattung Aquilaria, die in den Regenwäldern Südostasiens wachsen – von Indien und Bangladesch über Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam bis nach Indonesien und auf die Philippinen. Das Besondere ist nicht der Baum selbst, ein hoher, unscheinbarer Vertreter der Spanischen-Olivenbaumgewächse, sondern ein rätselhafter Abwehrprozess in seinem Kernholz: Wird der Baum durch einen bestimmten Schimmelpilz, mechanische Verletzung oder Insektenbefall gestresst, produziert er als Reaktion ein dunkles, dichtes, harzdurchtränktes Holz – genau dieses veränderte Holz ist das begehrte Adlerholz, während unverletztes Kernholz nahezu geruchlos und wertlos bleibt. Da der Prozess in freier Wildbahn Jahrzehnte dauern kann und die Wildbestände fast aller Aquilaria-Arten heute durch Übernutzung gefährdet und über das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) geschützt sind, gehört natürlich gereiftes Adlerholz zu den seltensten und teuersten Naturmaterialien der Welt.

Seit Jahrtausenden wird Adlerholz in religiösen Zeremonien des Buddhismus, Hinduismus, Christentums und Islam verräuchert – man glaubte, sein Rauch reinige die Luft, beruhige den Geist und öffne den Zugang zur spirituellen Welt; im Alten Testament wird es unter dem Namen Aloeholz als Räucherwerk und Duftstoff erwähnt. In Japan entwickelte sich um das kostbare Holz, dort Jinkō genannt, ab dem Mittelalter die eigenständige Kunstform Kōdō, das „Hören des Duftes", bei der geschulte Teilnehmer in kontemplativer Stille feinste Nuancen verschiedener Holzproben unterscheiden. Zugleich ist Adlerholz seit langem eng mit Reichtum und Status verknüpft: als kostbares Diplomatengeschenk zwischen Herrschern, als Bestandteil höfischer Duftkultur im Nahen Osten, wo es bei Hochzeiten und zu Ehren wichtiger Gäste verbrannt wird, und als Basisnote der bis heute international begehrten „Oud"-Parfums, die zu den teuersten der Welt zählen.

Verbrannt entfaltet Adlerholz ein außergewöhnlich vielschichtiges Aroma – tief, holzig und gereift, mit Nuancen von Honig, Amber und Leder sowie einem feinen, fast animalischen Unterton, der sich je nach Herkunft und Reifegrad des Holzes stark unterscheiden kann. Es wird meist in kleinen Holzspänen auf glühender Räucherkohle verbrannt, wobei sich sein Duft nur langsam und in wechselnden Facetten entfaltet, statt sofort seine volle Tiefe preiszugeben. Kenner sprechen von einem Duft, der sich über Minuten hinweg verändert – ein Grund, warum Adlerholz traditionell einzeln und in andächtiger Ruhe verbrannt wird, nicht als Teil einer Mischung.

Verwendet in folgenden Konzerten

Incense of Music 67
Incense of Music 67
24. Oktober 2025
Yannick Rafalimanana — Adlerholz, Zypresse
Incense of Music 42
Incense of Music 42
7. November 2019
Grégoire Simon, Yannick Rafalimanana, Ole Brolin — Petitgrain, Oud
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The Incense of Music No. 3
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15. September 2015
Daniel Flores, Mateo Marin — Lorbeer, Oud
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