Visit to Godenholm

AntanO, Incense stick, CC BY-SA 4.0

“The light began to crackle; a blue thread rose from the edge of the candlestick. I looked at it first with astonishment, then with delight, as if a new force of the eye had come to me. In it the games of this honey-scented smoke revealed themselves, rising on a slender stem and then ramifying in a delicate crown. It was as if my imagination had created it – a pale web of sea lilies in the depths barely trembling from the surf. (…) Now a breath of air hit the vision and smoothly turned it around the axis like a dancer. (…) The rays and lattices of the miracle flower swung into new levels, into new fields. Myriads of molecules bowed to harmony. Here all laws no longer worked under the veil of appearance; the substance was so ethereal that it could mirror them openly. How easy and compelling this all was. The numbers, measures and weights freely emerged from matter. They threw off the robes. (…)This corresponds to intuitions in which areas are revealed, where otherwise only music advances – to the weightless zone between sensible and spiritual reality. (…)”

Ernst Jünger, Visit to Godenholm, 1952

Crinoidea (Haeckel)

„Das Licht begann zu knistern; ein blauer Faden stieg vom Leuchterrand empor. Ich betrachtete ihn erst mit Erstaunen, dann mit Entzücken, als ob mir eine neue Kraft des Auges zuteil geworden sei. In ihr enthüllten sich die Spiele dieses nach Honig duftenden Rauches, der sich auf schlankem Stiel erhob und dann in zarter Krone verästelte. Es war, als ob ihn meine Einbildung geschaffen hätte – ein blasses Seeliliengespinst in Tiefen, die kaum vom Schlag der Brandung zitterten. (…) Nun traf ein Lufthauch die Vision und drehte sie geschmeidig um die Achse wie eine Tänzerin. (…) Die Strahlen und Gitter der Wunderblume schwenkten in neue Ebenen, in neue Felder ein. Myriaden von Molekülen beugten sich der Harmonie. Hier wirkten die Gesetze nicht mehr unter dem Schleier der Erscheinung; der Stoff war so ätherisch, daß er sie offen spiegelte. Wie einfach und zwingend das alles war. Die Zahlen, Maße und Gewichte traten aus der Materie hervor. Sie warfen die Gewänder ab.(…) Dem müßte eine Anschauung entsprechen, der sich Bereiche offenbarten, zu denen sonst nur die Musik vordringt – zur schwerelosen Zone zwischen sinnlicher und geistiger Wirklichkeit. (…)“

Ernst Jünger, Besuch auf Godenholm

Klett-Cotta, Sämtliche Werke in 18 Bd., Stuttgart 1978

 

Sweet Flag today!

Mistahimaskwa (Big Bear), 1885

Sweet Flag (Acorus calamus), also called sweet calomel, grows in damp places in the north and south temperate regions. A member of the arum family, Araceae, it is one of the two species of Acorus. There is some indirect evidence that Indians of northern Canada, who employ the plant as a medicine and a stimulant, may chew the rootstock as an hallucinogen.“

Hallucinogenic Plants, Richard Evan Schultes,

Illustrated by Elmer W. Smith, p. 73

 

https://www.holybooks.com/wp-content/uploads/Hallucinogenic-Plants-A-Golden-Guide.pdf

Galbanum in der Naturalis Historia

De galbano diximus. neque umidum neque aridum probatur et quale docuimus. per se bibitur ad tussim veterem, suspiria, rupta, convulsa, inponitur ischiadicis, lateris doloribus, panis, furunculis, corpori ab ossibus recedenti, strumis, articulorum nodis, dentium quoque doloribus. inlinitur et cum melle capitis ulceribus. purulentis infunditur auribus cum rosaceo aut nardo. odore comitialibus subvenit et vulva strangulante vel in stomachi defectu. abortus non exeuntes trahit adpositu vel suffitu, item ramo hellebori circumlitum atque subiectum. serpentes nidore urentium fugari diximus. fugiunt et perunctos galbano. medetur et a scorpione percussis. bibitur et in difficili partu gabae magnitudine in cyatho vini, vulvasque conversas corrigit, cum murra autem et vino mortuos partus extrahit. adversatur et venenis, maxime toxicis, cum murra et vino.

Gaius Plinius Secundus, 77-78 p.Ch.n.

Jacobson’s organ

P.Fernandes (Trebaruna), Detalhe boca Fred, CC BY 3.0

The Jacobson’s organ, also known as the vomeronasal organ (VNO), is part of the olfactory system. It corresponds to the olfactory pits of fish. During human fetal growth the organ evolves and involves before birth. Whether the VNO still fulfills functions in human perception after birth is considered controversial. In the case of the cat the entrance to Jacobson’s organ can be seen on the palate behind the incisors.

Das Jacobson-Organ, auch Vomeronasales Organ (VNO) genannt, ist wie die Riechschleimhaut Bestandteil des olfaktorischen Systems. Es korrespondiert evolutionsgeschichtlich den Riechgruben von Fischen. Bei Menschen entsteht das Organ zwar im Mutterleib, bildet sich aber noch vor der Geburt zurück. Bis zum achten Monat ist ein zum Organ gehöriger Nerv nachweisbar. Als ein Rudiment des VNO beim Menschen gilt der Knorpel Cartilago vomeronasalis; dieser liegt hinter dem Knochenvorsprung unten in der Mitte der Nasenöffnung, der Spina nasalis anterior.

Ob das VNO beim Menschen noch eine Funktion erfüllt, gilt als umstritten. Bei der abgebildeten Katze ist der Eingang zum Jacobson-Organ gaumenseitig hinter den Schneidezähnen zu erkennen.

Jahai!

https://www.flickr.com/people/69267196@N03

„It is widely believed that people are bad at naming odors. This has led researchers to suggest smell representations are simply not accessible to the language centers of the brain. But is this really so? Psychologist Asifa Majid from Radboud University Nijmegen and linguist Niclas Burenhult from Lund University Sweden find new evidence for smell language in the Malay Peninsula.“ 

(Radboud University Nijmegen. „Odors expressible in language, as long as you speak right language.“ ScienceDaily. ScienceDaily, 3 January 2014. www.sciencedaily.com/releases/2014/01/140103085248.htm)

 

„In Jahai there are around a dozen different words to describe different qualities of smell. For example, ltpɨt is used to describe the smell of various flowers and ripe fruit, durian, perfume, soap, Aquilaria wood, bearcat, etc. Cŋɛs, another smell word, is used for the smell of petrol, smoke, bat droppings and bat caves, some species of millipede, root of wild ginger, etc. These terms refer to different odor qualities and are abstract, in the same way that blue and purple are abstract.“

(Read more from Asian Scientist Magazine at: https://www.asianscientist.com/2014/01/in-the-lab/odors-expressible-malay-hunter-gatherer-language-2014/)

Fab at the German language Wikipedia, Hibiskusbluete, CC BY-SA 3.0

 

Siehe auch:

http://www.sueddeutsche.de/wissen/olfaktorische-forschung-explosion-der-duefte-1.1918297

Copal

Unsere gesellige schamanische Zusammenkunft am morgigen Abend steht unter peruanisch-argentinischen Vorzeichen. Wir verräuchern dazu Copal Oro aus Guatemala ergänzt durch zwei Unzen Copal Negro aus Peru und Copal Pom aus Mexiko. Wir sind sehr gespannt auf die Interaktion unserer Melange mit den kammermusikalischen Mischfertigkeiten des Tango…

Das Wort „Copal“ entstammt dem Klassischen Nahuatl, einer Sprache, die sich als Verkehrssprache im 15. und 16. Jahrhundert in Zentralmexiko etablierte. Es bezeichnet verschiedene subfossile Harze von verschiedenen Pflanzenarten, die schon seit Jahrhunderten in den vorspanischen Kulturen Mittel- und Südamerikas bei Opferritualen, zu Reinigungszwecken, in geselligen Zusammenkünften und religiösen Zeremonien sowie bis zum heutigen Tag als Weihrauchersatz in der Kirche verräuchert werden.

Herzlich Willkommen im Roten Salon!

Copalräucherung auf einem Marktstand am Tag der Toten in Santiago Tianguistenco, Mexico

Palo Santo

Palo Santo, Heiliges Holz, ist ein Sammelbegriff für verschiedene harzreiche Hölzer Mittel- und Südamerikas, die für Räucherungen verwendet werden. Besonders begehrt sind von altersher die in Peru und Ecuador gewachsenen Hölzer der Art Bursera graveolens. Diese Pflanze gehört zu den Balsambaumgewächsen und ist ein Verwandter von Weihrauch und Myrrhe. Wir verräuchern sie durch einfaches Anglühen eines größeren Holzstücks mit der Flamme.

Palo Santo dient zur Reinigung von Körper und Haus. Die Inka setzten es gegen Atemwegs- und Ohrenentzündungen ein und mischten es mit Mate und den Federn des Nandu.

Bursera graveolens wirkt psychisch stimulierend und leicht euphorisierend, gewährt Schutz vor Zauberei und bösen Geistern. Neben ihren ohren- und atemwegsbefreienden Qualitäten wird die Pflanze traditionell zur Reinigung von der mala energia eingesetzt. Die Naporuna im Amazonastiefland von Ecuador verwenden sie bis heute als Mittel gegen mal aire, die Krankheit des springenden Bauchnabels.

Incense of Music Nr. 18: Damaskus Berlin, Ugarit Trio bei Zeig Dich!

Ein olfaktorisches Konzert – 27. Mai 2017, 13 Uhr – „Ugarit“ – Syrische Klassik trifft auf barockes Cello: Damaskus-Berlin: Nabil Hilaneh: Oud, Maria Magdalena Wiesmaier: Cello; Ugarit Trio: Nabil Hilaneh: Oud, Mevan Younes: Buzuq, Mohamad Fityan: Nay, Kawala, George Saade: Perkussionen – Fabio Dondero und Dominik Breider (Incense burning): Wacholder und WeihrauchZeig Dich!, Evangelischer Kirchentag 2017, St. Elisabeth Kirche, Berlin Mitte

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Incense of Music No. 16 – Elemi Quartett bei Zeig Dich!

Ein olfaktorisches Konzert, 25. Mai 2017, 16 Uhr – „Love in Numbers“ – Das Elemi-Quartett spielt Werke von Hayden ChisholmChristian Weidner (Altsaxophon); Philip Gerschlauer (Altsaxophon); Moritz Köther (Altsaxophon); Bastian Duncker (Altsaxophon) – Fabio Dondero und Dominik Breider (Incense Burning): Elemi und Myrrhe – Zeig Dich! – Evangelischer Kirchentag 2017, Elisabethkirche Berlin „Incense of Music No. 16 – Elemi Quartett bei Zeig Dich!“ weiterlesen

Cedrus libani (Libanonzeder)

Die Libanon-Zeder (Cedrus libani) wächst vor allem entlang der Mittelmeerküste Süd- und Südwestanatoliens, im Libanon, dessen Wahrzeichen sie ist, und auf den Höhenlagen des Dschebel Aansariye in Syrien. Sie ist ein immergrüner Baum, der Wuchshöhen von 30 bis 50 Meter erreicht und über 1.000 Jahre alt werden kann.

Die größte und älteste Zeder Deutschlands (gepflanzt ca. 1720, Stammumfang 5,20 Meter) steht in Weinheim. Auf der Pfaueninsel wachsen übrigens eine berühmte Libanonzeder (ein Mitbringsel Wilhelm II. aus dem Osmanischen Reich) und eine alte Winterlinde (die sogenannte „Doppellinde“) unweit voneinander.

Schon das frisch geschnittene Holz der Libanonzeder duftet aromatisch. In Babylonien unter Hammurabi und in Ägypten kannte man Verfahren, um das ätherische Öl aus dem Kernholz des Baumes zu gewinnen. Herodot und Diodor zufolge wurde es u. a. zur Einbalsamierung der Toten verwendet.

Wie der Löwe in der Welt der Tiere so war die Zeder der „Prinz der Bäume“. Das Kopfende des Kreuzes, an dem Jesus Christus gehängt wurde, bestand nach der biblischen Symbolik aus Zedernholz (Quer- und Fußbalken aus Zypresse und Olive). In der Ikonographie des christlichen Mittelalters ist die Zeder der Mutter Gottes zugeordnet. Den Propheten galt sie als Symbol der Unvergänglichkeit. Und im Libanon sollen in der Tat noch uralte Exemplare aus der Zeitenwende stehen.

Das ursprünglich natürliche Verbreitungsareal ist im Libanon heute durch Übernutzung nur noch 2.000 Hektar groß. Für die Erzgewinnung im jordanischen Fenan kam es schon in vorbiblischer Zeit zu einer maßlosen Rodung der Zedernwälder. Hesekiel warnt vor dem Raubbau. Zum Bau seines Tempels schickte König Salomo angeblich zehntausende Israeliten in den Libanon, um König Hiram von Tyrsos beim Holzfällen zu unterstützen. Phönizier, Ägypter und später Griechen benutzen die Zeder zum Flottenbau.

Das 67m lange Opferschiff Ramses III. ist ebenfalls aus Libanonzeder gebaut. Legendär ist auch die Reise Wen-Amons nach Byblos, um dort Zedernholz für die Barke des Amon-Re zu organisieren. Thutmosis III. importierte aus der Region Syrien-Palestina (Retenu genannt) die Duftessenz „Khor“, die auf vielen Inschriften genannt wird und hinter der sich (u.a.) auch der Duft der Libanonzeder verbergen könnte. Und ismaelitische Kaufleute brachten verschiedene Duft- und Räucheressenzen aus Gilead nach Ägypten.

Der mythische Vogel Benu, der sich zur Dämmerung in Gestalt eines Falken niederläßt, um in der Morgenröthe als Reiher wiedergeboren zu werden, steht in Verbindung mit der Zeder. In hellenistischer Zeit erschien dieser Vogel wieder als Phönix, der, wenn er das Alter fühlt, aus Balsam und Weihrauch sein Nest zusammenträgt, um sich dort zu verbrennen.